Ich hatte die Ehre vor Kurzem ein Interview mit Peter Cannon, einem der Macher der The Dick Turpin Road Show, für den Linux/MacOS Stammtisch Dresden führen zu dürfen. Ich bedanke mich dafür ganz herzlich für die ehrliche und offene Kommunikation und den Spaß beim Interview 😀

Das Interview ist in Englisch und ich habe es mit Erlaubnis übersetzt. Bitte bedenkt beim Lesen, dass es sich hier lediglich um die Meinung von Peter handelt und das es sich um etwas derbe Ausdrucksweise handeln könnte.

1. Wie hat alles angefangen?

Ich bin ein großer Fan von LugRadio und wie die meisten Hörer wollte ich in der Show sein und versuchte dafür alles, angefangen bei Geld bis sexuellen Gefälligkeiten, ohne Erfolg.

Während ich zu Hause saß und meine Rache plante, dachte ich oft darüber nach meinen eigenen Podcast zu machen, wofür ich aber nie wirklich etwas tat. Nachdem LugRadio die Sendungen einstellte und Linux Outlaws die Sache irgendwie übernahm, fingen viele Andere und ich an diese Show zu hören. Als ein großer Fan von IRC, war ich auch im IRC-Channel der Show präsent, wo ich Matthew Copperwaite kennenlernte.

Matt und ich verstanden sich von Anfang an sehr gut, weil wir scheinbar nicht nur den selben Sinn für Humor haben, sondern auch die gleiche Einstellung zu Open Source Projekten und Themen. Während der nächsten Monate diskutierten Matt und ich sehr oft darüber, wie es wäre, unseren eigenen Podcast zu haben, aber eher in unserer Fantasie, und wir hatten ehrlich keine Intention dafür etwas zu unternehmen und es voran zu bringen, außer weises Nachdenken. Wir beide sind auch große Fans von RatholeRadio, welches ein anderer Podcast ist, welcher freie Musik hauptsächlich mit Creative Commons Lizenz promoted. Jedes Jahr macht Dan Lynch, der RatholeRadio betreibt, eine Live Show in Liverpool, welche Matt und ich äußerst gewissenhaft immer besuchen.

Bei der ersten RatholeRadio Live entschieden wir uns, dass es eine gute Idee ist uns selbst aufzunehmen, während wir nach Liverpool fuhren. Da wir kein angemessenes Aufnahmegerät hatten, entschieden wir uns ein Nokia N810 zu nutzen. Die Idee war und selbst beim quatschen über Alles und Nichts während der Fahrt aufzunehmen. Das passt perfekt zu unserem Namen für die Show, wie Matt oftmals erklärte „Dick Turpin war ein Straßenmann, der umher reiste“. Also nahmen wir auf während wir reisten. Die aller erste Episode, die diesen Namen trug, war eigentlich nur als Wegwerfaufzeichnung zu unserer und unserer Freunde Belustigung gedacht und wir ahnten in etwa wohin es führte.

 

2. Was ist die Geschichte zum Namen?

Mein IRC Spitzname ist dick_turpin. Ich habe die Geschichte schon viele Male erzählt, ich arbeite im Verkauf und vor vielen Jahren gab ich einem Kunden ein Angebot und er schrie „Wie viel?! Wenigstens hat Dick Turpin eine Maske getragen.“ So stand der Spitzname irgendwie fest. Wie schon eher erwähnt, als wir die Möglichkeiten einen Podcast zu machen besprachen, erwähnte ich gegenüber Matt, dass ich schon etwas Arbeit seit ein paar Jahren rein gesteckt habe und das ich die Idee hatte den Namen The Dick Turpin Road Show zu verwenden, ein bisschen wie die Radio One Roadshow, ein UK Radio Programm, welches im Sommer umher reist und eine Show von verschiedenen Orten aus, meistens Strandgegenden, ausstrahlt. Ich fühlte mich nicht wohl dabei den Namen Dick Turpin zu verwenden, weil es ja mein IRC Spitzname war, und einen Podcast nach mir selbst zu benennen schien mir sehr Anmaßend, um ehrlich zu sein. Matt aber fand das wie auch immer gut, die Show so zu nennen, weil er nicht nur die Verbindung zum Reisen herstellte, sondern auch eine Straße in der Nähe seines Wohnortes „The Dick Turpin Way“ hieß.

 

3. Was sind die Hauptthemen der Show?

Ich glaube nicht, dass wir Hauptthemen als solches haben. Klar, Matt und ich sind ziemliche FOSS-Verfechter und Nutzer, aber wir reden auch gern über viele andere Betreffs und Themen, welche nicht unbedingt Software bezogen sind. Wir haben eine Art Ablauf für die Show. Wir starten mit einer Sache die wir „zufällige Aufwärmdiskussion“ nennen. Das kann alles von Linux bis zum neuesten Waschmaschinenangebot sein. Dieser Teil der Show ist mein Liebling, weil es normalerweise in einer anderen Richtung endet, als es ursprünglich am Beginn der Unterhaltung anfing, was jetzt bekannt ist unter „Freier Fall Unterhaltung“. Als nächstes kommt meist Raum X1101 oder „Ich hasse deinen Blog“. Bei Raum X1101 diskutieren wir einige eingesendete Vorschläge von Hörern, wobei einer von uns versucht den Vorschlag ins Nirwana zu schicken und einer versucht ihn zu retten. „Ich hasse deinen Blog“ ist so ziemlich das, was der Name schon verspricht. Wir schauen uns Blogs oder Seiten an, welche von Hörern vorgeschlagen wurden, und zerreißen sie in ihre Bits.

Unser Hauptthema ist die Sektion wo wir spezielle Punkte besprechen, was wieder so ziemlich alles sein kann, aber wir versuchen beim Thema zu bleiben, wobei es auch in einer „Freie Fall Unterhaltung“ abdriften kann. Mit Sicherheit sind da auch für Podcasts übliche Themen wie Korrekturen, Feedback, Spenden und Ankündigungen dabei.

 

4. Auf welches Publikum konzentriert ihr euch?

Das ist eine wirklich gute Frage, du erwartest von mir, dass ich sage „Linux und freie Open Source Software Benutzer“. Derzeit sind unsere Zielgruppen Windows und Mac Benutzer, aber wahrscheinlich am Wichtigsten wären neue Computer Benutzer. Das Ding ist, dass nahezu all die anderen FOSS Podcasts sich auf Linux/FOSS Benutzer konzentrieren. Das ist OK, wenn Unterhalten alles ist, was du möchtest, wenn du aber Werben willst, oder wie Matt und ich bevorzugen, den Gebrauch von FOSS verfechten möchtest, dann ist es sinnlos die Nutzer anzusprechen, sondern die Nicht-Benutzer. Wie sonst willst du sie auch überzeugen?

Natürlich lieben wir unsere FOSS Hörer und reden über Themen die diese schon kennen und lieben, aber wir versuchen auch diese zu überzeugen sich zu engagieren für etwas, was manche möglicherweise den Feind nennen. Wie auch immer, ich mag diesen Begriff nicht wirklich und wir sollten alle Verfechter gegenüber Leuten sein, die bisher noch nicht die Vorzüge von FOSS kennen.

 

5. Zu welchen Podcasts oder Projekten habt ihr Verbindungen?

Wie ich schon vorher sagte, sind wir große Fans von Linux Outlaws und RatholeRadio. Allerdings haben Matt und ich auch Verbindungen mit anderen Podcasts. Ich schätze mal, die Hauptshow, in der wir öfters erwähnt werden, ist Linux Outlaws, obwohl wir nicht wirklich ein Jointventure haben in der derzeitigen Phase, was daran liegen kann, dass wir nicht berühmt genug sind oder niemand was mit uns zu tun haben will 😀

Unsere gute Freundin Rebecca Newborough entschied, dass sie ihre örtliche LUG wiederbeleben möchte, das Thema liegt uns sehr am Herzen und deshalb hat Matt beschlossen Treffen für die Greater London LUG abzuhalten, weil es etwas ist, was The Dick Turpin Road Show von ganzem Herzen unterstützt.

 

6. Was für Programme benutzt ihr für die Show?

Ich bin ziemlich pragmatisch in meiner Lösung mit Software und ich nehme was funktioniert. Ich bin nicht wirklich ein Linux-Fanatiker und ich bin glücklich darüber wenn nötig auch proprietäre Software zu benutzen.

Für die gegenseitigen VOIP-Anrufe benutzen wir Skype. Bei mir ist das ein Netbook mit Kabelverbindung und Matt benutzt seinen Laptop mit Kabelverbindung, weil wir beide gelernt haben, dass Wi-Fi Scheiße ist für VOIP. Wir nehmen unsere Stimmen lokal und separat auf, dafür benutzen wir Audacity. Unsere Notizen sind in simplen Textdateien und ich benutze Leafpad und Cherrytree um diese zu ändern, wobei Cherrytree ein echtes Archiv der ganzen Notitzen ist und somit das zweite Tool ist, um die Show zu produzieren.

Wir haben auch ein Dropbox Konto, was wir nicht nur für die Notizen nutzen, sondern auch für andere Dokumentationen im Zusammenhang mit der Show. Nachdem wir die Show beendet haben, legt Matt seine lokale Aufnahme in dieses Verzeichnis und nachdem es synchronisiert wurde sammle ich diese ein und füge meine Aufnahme mit Audacity hinzu und editiere/kreiere die Show, um sie dann mit FileZilla auf den FTP unserer Webseite hochzuladen. Unsere Webseite nutzt Drupal, was daran liegt, dass sie derzeit auf einem IIS Server gehostet wird.

 

7. Was für spezielle Hardware nutzt zum erstellen der Show?

Das ist schon wieder eine gute Frage und es gibt zwei Meinungen wenn es um Podcasting geht. Die einen Sagen, es ist egal was du nimmst, die Show ist das einzig Wichtige und das, was der Podcaster zu sagen hat. Mit dem Gedanken reicht das Laptop-Mikrofon, wobei wir da schlechte Audio-Qualität erfahren haben. Am Anfang ist es lustig, doch mit der Zeit entwickelst du den Stolz zu deiner Arbeit und du möchtest ein Qualitätsprodukt produzieren. Wie ich schon sagte, nutze ich ein Netbook mit einem Microsoft LiveChat LX-3000 Headset für die Anrufe mit Matt. Für meine lokale Aufnahme nutze ich einen zweiten PC mit einem Samsung CO1U Kondensatormikrofon.

 

8. Wie kommuniziert ihr mit eurem Publikum?

Ich habe kein Interesse daran die Show in eine Livesendung zu verwandeln, wobei Matt und ich es sehr genießen eine beim OggCamp zu veranstalten, welche wir als Einmaligkeit ansehen, wo wir unsere Hüllen ein wenig fallen lassen. Es ist schwer genug für mich sich auf die normale Aufnahme zu konzentrieren, ohne irgendwelche ablenkenden Kommentare aus unserem IRC Channel. Wir pflegen den Umgang mit unseren Standardmethoden wie E-Mail, IRC, Twitter und Google+. Davon ausgehend, dass wir immer falsch liegen in einer Welt aus Falschem, schätze ich mal, dass wenn wir eine Live Show mit IRC Beteiligung machen würden, bräuchten wir nahezu die ganze Zeit um uns vom Channel Korrigieren zu lassen, und um ehrlich zu sein ist es genau das, das wir bei vielen Dingen immer falsch liegen, was uns so beliebt bei unseren Hörern macht.

 

9. Wie kann man sich an der Show beteiligen?

Auch wenn wir schon sein einem Jahr im Geschäft sind, entwickeln wir uns immernoch in etwas, was manche einen Podcast nennen würden. Wie ich schon sagte, haben wir einen IRC Channel, ein Feedback-Formular auf unserer Seite und eine show@tdtrs.co.uk E-Mail Adresse. Wir decken auch so ziemlich jedes soziale Netzwerk wie Facebook oder Google+ ab. Einige Hörer haben angefangen die Show zu unterstützen und zu bewerben, indem sie Seiten auf Google+ erstellt haben. Eine davon ist zum Beispiel der The Continental Breakfast Club or #TCBC, welcher von Gregory Wellington und Thomas Heine betreut wird, und eigentlich eine Fotoseite von Bildern ist, wo Mitglieder Fotos von ihrem Frühstück des Tages zusammen mit einer #TDTRS Tasse abbilden.

Derzeit wird uns ein Forum von unserem regelmäßigen Zuhörer und Unterstützer X1101 aufgesetzt, aber wir suchen ständig nach Möglichkeiten und Wegen uns und die Show zu bewerben und unsere Zuhörerbasis zu erweitern. Der einfachste Weg sich zu beteiligen ist, wenn du eine Idee hast, setze sie um und es wäre schön, wenn wir uns vorher abstimmen könnten, damit es Matt und mir nicht zu kontrovers ist, wobei wir wirklich an Freiheit glauben und mit dem Gedanken kannst du nahezu alles was du willst tun.

 

10. Wie sehen die Zukunftspläne für die Show aus?

Ich persönlich habe keine sicheren Pläne für die Show, außer das ich gern paar hochgradige Co-Moderatoren wie Linus Torvalds in der Show hätte, wobei ich auch nicht abgeneigt wäre jemanden von Microsoft oder Apple Lager in der Show zu haben. Wenn wir vielleicht ein paar mehr Zuhörer hätten oder groß genug wären, wäre es nicht schlecht für uns eine Live-Veranstaltung wie OggCamp zu veranstalten? Matt und ich fänden es auch toll die The Dick Turpin Road Show zum North East Linux Fest in Amerika zu bringen, aber ich sehe das noch nicht passieren, außer Google oder so finanziert uns 🙂

Kategorien: Allgemein, Events

Nachdem ich letztes Jahr die Linux Foundation und einfachjabber.de direkt finanziell und die EFF, Canonical und HumbleBundle indirekt finanziell unterstützt hatte, ist es wieder Zeit für dieses Jahr ein paar Projekte zu unterstützen. Ich habe mich für folgende entschieden:

Opencaching, weil es einfach ein tolles Projekt ist, welches ein Hobby von der Gemeinschaft auch für die Gemeinschaft anbietet, ohne irgendwelche Zwänge oder Einschränkungen wie beim kommerziellen Bruder.

Luminance HDR, weil es mir bei meinem Hobby der HDR Fotografie unheimlich tolle Möglichkeiten bietet und mich inspiriert.

Crunchbang, weil der Entwickler spitze, die Community einfach genial und die Distribution ein Insider-Tipp ist.

Hugin, weil es ein mächtiges Stitching-Werkzeug ist, welches einfach nur genial ist und tolle Panoramas und super ausgerichtete HDR-Bilder ermöglicht.

Document Foundation, weil diese LibreOffice weiterentwickelt und für offene Dokumentenstandards einsteht.